Über den "Überlebenskünstler"


Sein Lebensgrundsatz: Der Weg ist das Ziel, aber man hüte sich vor ankommen! 

 

Er wurde am 15. Juli 1962 in Leipzig als Steffen Modrach geboren, und wuchs die ersten Jahre bei den Großeltern in Magdeborn auf. Mit 5 wurde er von den unbekannten leiblichen Eltern nach Herzberg Elster, „entführt“. Als Kind eines kommunistisch verbohrten Lehrersohns prägten ihn die sozialistische Enge der Kleinstadt und das Kleinstbürgertum erheblich. Sein einziges Ziel, er wollte dort weg. 

In der Schule, von den Leistungen eher grottenschlecht, versetzungsgefährdet in Mathematik und Physik, machte es ihm später nichts aus, als Pilot die Welt zu erkunden. Eine Lehre als Fischer brach er bereits 1979 frühzeitig ab, denn ihn interessierte der australische Kontinent weit mehr als Hecht und Forelle. Auf dem abenteuerlichen Fluchtweg in den „Goldenen Westen“ blieb er vorzeitig vor dem Lauf einer Kalaschnikov stecken und studierte nun gezwungenermaßen die in der Haft gestrandeten Menschen in mehreren DDR-Gefängnissen. Eine wahrlich aufregende, hochgradig spannende, teils amüsante Zeit, die ihn animierte, mit dem Schreiben zu beginnen. 

Wieder in die „Freiheit“ der DDR entlassen machte er die ersten Monate neben Rauchen, Trinken und dem heimlichen Anbau von Schlafmohn am liebsten nichts, sammelte Flaschen im Park oder frönte der Kunst des Schreibens und hielt sich mit Artikeln in der Tribüne oder Volksstimme über Wasser. Nebenher kassierte er einen Teil der Literaturpreise der DDR ab. Und er probierte sich später in den verschiedensten Tätigkeiten aus, war u. a. Bestatter, Zauberer, Pfleger in der Psychiatrie, kassierte Versicherungen, wurde Sektionsassistent in der Pathologie, Hausmeister, Rattenzüchter, Schäfer und schließlich erlernte er den Beruf des Kesselwärters. Er ließ sich zum Kranfahrer ausbilden, drückte sich erfolgreich vor dem Armeedienst, denn er empfand nichts peinlicher als die NVA, bewarb sich aber des Geldes und der Bequemlichkeit wegen krampfhaft bei der Feuerwehr, Polizei und Stasi, musste aber leider deren ständige Ablehnung erfahren, und wurde in der Not schließlich Facharbeiter in der Schmiede und Industrieofenbediener im größten Maschinebaukombinat der DDR. Und siehe, er schaffte es einige Zeit später tatsächlich, beim Rat des Bezirkes Magdeburg einen der heiß begehrten Hausmeisterposten zu ergattern. Ein Leben wie im Kommunismus stand ihm bevor. Weil es viel Geld gab und absolut nichts zu arbeiten, wollte er diesen paradiesischen Posten ein Leben lang aufrichtig und ordnungsgemäß tun. Das Unerträglichste was ihm nun dazwischenkam, war die Wende. So ein Pech aber auch!

 

Er heuerte neu an und wurde für die Pharmaindustrie tätig, schulte aber aus Langeweile noch einmal kurzfristig um und absolvierte dummerweise einen ordinären Auslandseinsatz. Es folgten fünf staubige berufliche Jahre, über die er nicht gern spricht. Man sollte ihn auch nicht danach fragen. Zu dieser Zeit wechselte Vater Staat dankenswerterweise und wohlwollend seinen Namen, Steffen Modrach heißt seither Victor Niklas. Obwohl es sich hier um einen bürgerlichen und nicht etwa einen Künstlernamen handelt, schreibt er heute zuweilen unter seiner alten Identität schmutzige oder geistreiche Bücher. Wie man ihn tatsächlich nennt, ist ihm ziemlich wurscht.    

… Nebenher war er Referent der Urania und hielt ziemlich erfolgreich populärwissenschaftliche Vorträge über die Geschichte des Kaffees, sowie seine Wirkung auf den menschlichen Organismus, forscht derzeit über Wühlmäuse, tritt zuweilen als Zauberer auf, raucht nicht, trinkt nicht, hat wahrscheinlich drei Kindern (oder mehr?) finanziell den Weg in die Zukunft geebnet und wegen seines Kunstprojektes leider kaum  Zeit sich um die Enkel zu kümmern.  

 

Er ist seit "100" Jahren in festen freifraulichen Händen, in Orthografie und Grammatik dumm wie Stroh und trotzdem rundherum glücklich  und überdies auf seine inzwischen über 30, teils ausverkauften Bücher und drei Hunde sehr stolz.